Rossmann Mirjam und Martin

/Rossmann Mirjam und Martin

Ich weiß mittlerweile schon von weitem, wenn mit den Pflanzen etwas nicht stimmt. Das bekommt man ins Gefühl.

Mirjam und Martin Rossmann

Paprika-Gärtner

Können Sie sich und Ihren Betrieb bitte kurz vorstellen?
Martin: Ich heiße Martin Rossmann und führe einen relativ jungen LGV-Betrieb am Standort Simmering. Meine Eltern sind hier Gärtner und da habe ich auch die Lehre gemacht. Danach habe ich dann begonnen, gegenüber vom Elternbetrieb eine eigene Gärtnerei aufzubauen. Da hatte ich Glück, da gab es ein freies Feld und das habe ich übernommen. Im Laufe der Jahre habe ich dann sukzessive Gewächshäuser aufgestellt und der Betrieb ist mit der Zeit auch immer größer geworden. Inzwischen arbeiten neben meiner Frau und mir auch schon einige Leute hier.

Mirjam: Ich heiße Mirjam Rossmann und bin die Ehefrau dazu. Ich bin ein paar Jahre nach Martins Start mit seinem eigenen Betrieb quasi dazugestoßen. Ursprünglich war ich gar nicht Gärtnerin. Ich habe zwar die Gartenbauschule besucht, aber dann im Verkauf gearbeitet und auch die Floristenlehre abgeschlossen. Am Anfang war es schon schwierig, im Betrieb mitzuarbeiten, aber das kam so im Laufe der Zeit. Nach und nach ist es einfach immer mehr geworden. Mittlerweile haben wir ja auch zwei kleine Buben, das heißt, ich arbeite halt so gut es geht mit. Aber das klappt eigentlich ganz gut.

Welche Produkte bauen Sie an?
Martin: Seit 2007 sind es bunte Paprika. Früher hatten wir Gurken, aber die Paprika passen einfach besser zu uns in den Betrieb. Die brauchen keine permanente Pflege und sind damit weniger personalintensiv. Das ist gerade in unserem Fall gut, denn ich arbeite ja noch eng mit meinem Vater zusammen und kann leichter reagieren wenn er mal mehr Arbeit hat. Außerdem habe ich die Paprika auch als Produkt gern – etwas Exotisches hat mich nie gereizt.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft in Ihrem Betrieb?
Martin: Naja, wir haben ja gerade eine größere Investition hinter uns, denn im vergangenen Winter haben wir eine Wasseraufbereitungsanlage angeschafft. Das war notwendig für die Paprika, weil das Grundwasser nicht den perfekten Nährstoffgehalt für die Kultur hatte. Durch das aufbereitete Wasser kann ich nun viel genauer auf die Bedürfnisse der Pflanze eingehen. Für die Zukunft hätte ich schon einige Pläne, ich würde gern dazubauen, aber dazu brauche ich ein Grundstück hier in der Nachbarschaft. Und da ist momentan leider nichts in Sicht.

Wie verläuft ein Arbeitsjahr in Ihrem Betrieb?
Martin: In der Kalenderwoche sechs bis sieben setzen wir die Jungpflanzen aus. Von da an brauchen die Pflanzen permanente Wärme, so um die 20 bis 22 Grad. Nach 11 Wochen ernten wir zum ersten Mal und zwar die grünen Früchte. Ab dann geht es laufend, die Pflanzen tragen ja bis in den November hinein Früchte. Die würde wahrscheinlich sogar noch länger tragen, aber dann wird das Gewächshaus zu klein, weil die Pflanzen ja nach oben wachsen. Im November räumen wir also die Gewächshäuser aus, dann werden sie gereinigt und alles was kaputt ist wieder hergerichtet. Um Weihnachten herum ist es dann ein bisschen ruhiger, so für ein oder zwei Wochen. Und dann geht es wieder los.

Wie verläuft Ihr Arbeitstag in der Gärtnerei?
Mirjam: Wir fangen um halb sechs Uhr an, wobei ich mich in der Früh zuerst um die Kinder kümmere, während mein Mann bereits zu den Pflanzen geht. Beim Ernten am Vormittag sind die Kinder aber eigentlich meistens dabei, zumindest im Sommer, wenn kein Kindergarten ist. Die kennen das schon und können sich unglaublich gut selbst beschäftigen, sie wachsen ja damit auf. Aber wenn sie einmal unruhig sind, dann muss ich halt flexibel sein und Martin bei der Ernte allein lassen. Dann bin ich bei den Kindern.

Martin: Die richtige Ernte läuft an zwei Tagen in der Woche. Die restliche Zeit kümmern wir uns um die Pflanzen, also Triebe zwicken oder die Paprikapflanzen um die Schnur wickeln. Das dauert lange, bis sieben Uhr am Abend geht es schon. Und zwar an sechs Tagen in der Woche – Sonntag haben wir frei.

Was macht einen guten Gärtner aus?
Martin: Man braucht einfach dieses bestimmte Gefühl für die Pflanzen. Und das entwickelt man. Von heute auf morgen einen Betrieb aufzumachen, das geht nicht. Gerade die modernen Kulturen, um die man sich tagtäglich kümmern muss – mit denen muss man erstmal umgehen können. Ich habe das von den Eltern gelernt und weiß mittlerweile schon von weitem, wenn mit den Pflanzen etwas nicht stimmt. Das bekommt man ins Gefühl.

Was lieben Sie an Ihrer Arbeit?
Martin: Die Ernte einzufahren und die vielen bunten Paprika an die LGV zu liefern.

Mirjam: In so einem Moment sieht man, was die Arbeit wirklich bringt. Da weiß man, warum man es gemacht hat.

Haben Sie Tipps für den eigenen Gemüseanbau?
Martin: Um ehrlich zu sein fürchte ich, dass Gemüseanbau im eigenen Garten kaum funktioniert – da kannst du machen was du willst. Das liegt am Klima – entweder es regnet viel zu viel oder es brennt die Sonne zu stark runter. Also da braucht man schon viel Glück.

Haben Sie einen persönlichen Wunsch für die Zukunft?
Martin: Ich wünsche mir wirklich, dass die regionale Produktion gestärkt wird. Es wäre schön, wenn dem Konsumenten in den Supermärkten vor allem Gemüse aus heimischer Produktion angeboten wird und dieser dann auch ordentlich zugreift.

Mirjam: Ich finde, man müsste schauen, was man im eigenen Land hat und das dann auch verwenden, so lange es halt verfügbar ist.

20. April, 2018|