Merschl Martin

/Merschl Martin

Man muss mit seiner Gemüsekultur mitleben: In der Früh in das Gewächshaus gehen und „Guten Morgen“ zu der Pflanze sagen, und am Abend „Guten Abend“.

Martin Merschl

Paradeisergärtner

Können Sie sich vorstellen?
Mein Name ist Martin Merschl, ich komme aus Wien, aus dem 22. Bezirk. Ich habe dort den elterlichen Betrieb übernommen, der vor 120 Jahren von meinem Urgroßvater gegründet wurde.  Heute produzieren wir Rispenparadeiser.

Ist man stolz drauf, dass das vor mehr als 100 Jahren gegründet wurde?
Ja, man ist stolz drauf.  Dass der Betrieb weitergeht und weitergeführt werden kann, das ist ja heute nicht mehr selbstverständlich.  Es ist für mich ein Zeichen der gelebten Nachhaltigkeit. Die Gärtner leben das vor, indem die Betriebe oft schon seit 100 Jahren in Wien bestehen.

Warum produzieren Sie heute nur mehr eine Art Gemüse? 
Durch wirtschaftliche Zwänge. Man kann nur zwei Wege einschlagen. Entweder die breite Palette und selbst vermarkten, oder stark spezialisieren und über z.B. die Genossenschaft vermarkten.

Wie sehen Sie Ihre Pflanzen? Wie ein Haustier?
So sollte man es vielleicht viel mehr, viel stärker betrachten. Wenn man Erfolg haben will, muss man die Produktion auf höchstes Niveau bringen, und das heißt, mit der Kultur mitleben. In der Früh in das Gewächshaus gehen und „Guten Morgen“ zu der Pflanze sagen, und am Abend „Guten Abend“.

Ist Ihr Unternehmen ein Familienbetrieb?
In dem Sinn schon, aber die Definition wird immer schwieriger. Familienbetrieb, weil ich im Betrieb bin und meine Gattin macht das Büro. Wenn man es von den Arbeitskräften her sieht, ist es kein typischer Familienbetrieb mehr. Vom Kapitaleinsatz her ist es ein reines Familienunternehmen.

Wie spielt das Wetter für Sie eine Rolle?
Das Wetter spielt eine große Rolle – für das Wachstum der Pflanzen und für die Konsumbereitschaft der Menschen. Ein sehr heißer Sommer ist für uns nicht schlecht. Da wird mehr Fruchtgemüse gekauft. Weil Fleisch ist nicht wirklich das, was der Konsument will, wenn es wochenlang sehr heiß ist. Da isst er lieber schnell einen Paprika, eine Paradeiser oder eine Gurke.

20. April, 2018|