Schmid Franz

/Schmid Franz

Gärtner zu sein war immer mein Traumberuf. Ich bin schon als Kind am Traktor gesessen, war immer gerne an der frischen Luft und liebe es bis heute den Pflanzen beim Wachsen zuzusehen.

Franz Schmid

LGV-Gärtner

Können Sie sich bitte kurz vorstellen?
Mein Name ist Franz Schmid, ich bin Gärtner und habe den Betrieb meiner Eltern übernommen. Ich bin verheiratet, habe zwei Töchter, außerdem gibt es bei uns zwei Hunde, Katzen, Seidenhühner und ein paar Hasen.

Bitte erzählen Sie uns ein wenig von Ihrem Betrieb.
Unsere Gärtnerei umfasst rund 100 Hektar. Fast alles ist im Freiland, nur ca. 3.000 Quadratmeter haben wir unter Glas, dort produzieren wir im Sommer Schnittbasilikum. Alle unsere Flächen sind im 22. Bezirk, wobei wir erst in den 90er-Jahren hierher gezogen sind. Die Gärtnerei meiner Eltern – die ebenfalls schon Mitglieder bei der LGV waren – war woanders. Damals, als ich den Betrieb übernommen habe, hatten wir drei bis vier Mitarbeiter, derzeit sind es 40, im Sommer sogar noch mehr, manchmal bis zu 70 oder 80. Neben meiner Frau und mir arbeitet auch noch mein Vater mit, außerdem meine Schwägerin, ein paar Tanten und Bekannte. Und in der Saison engagieren wir Hilfsarbeiter.

Warum haben Sie so vieles im Freien?
Wir waren einfach immer schon ein Freilandbetrieb, uns zieht es mehr ins Freiland. Schon mein Vater war so, und ich genauso. Es macht Freude, draußen zu arbeiten und die Kräuter, die wir hauptsächlich anbauen, funktionieren gut im Freiland. Daher mussten und wollten wir die großen Investitionen, die man bei der Umstellung auf geschützten Anbau benötigt, nicht machen.

Welche Produkte bauen Sie an?
Unser Hauptprodukt sind Kräuter, etwa Petersilie, Schnittlauch oder Dille. Außerdem wie schon erwähnt Basilikum im Sommer. Früher, also als der Betrieb noch bei meinen Eltern war, haben wir vor allem Karfiol angebaut. Ich habe das umgestellt, denn damals ist die Nachfrage nach Kräutern extrem gestiegen. Aber sie waren noch kein Massenprodukt, anders als der Karfiol damals. Das sind sie bis heute nicht, wir produzieren eher in einer Nische, aber mit einer großen Nachfrage. Ich merke immer noch, dass wir mit den Kräutern den richtigen Weg gegangen sind. Um allerdings nicht zu eingeschränkt zu sein, haben wir vor ein paar Jahren zusätzliche Produkte dazugenommen. Das sind Kohlrabi, Knollensellerie und Stangensellerie. Man muss sich ja laufend weiter entwickeln, und die Nachfrage war einfach da.

Wie verläuft ein Arbeitsjahr in Ihrem Betrieb?
Die Jungpflanzen bekommen wir in der ersten Märzwoche, bis Ende Mai pflanzen wir aus. Mitte, Ende April wird mit der Ernte begonnen, und die geht eigentlich durch bis zum ersten ordentlichen Frost – das ist meistens Mitte November. Im Winter haben wir dann Lagergemüse, Treibschnittlauch – der ist in den Gewächshäusern -, Sellerie, Rotkraut und Kohl.

Machen Sie auch einmal Urlaub?
Eigentlich mache ich viel Urlaub, aber immer nur kurz. Ein verlängertes Wochenende, zwei bis drei Tage, das ist das Maximum. Aber das passt für mich, ich bin ein Österreich-Fan, ich muss gar nicht ins Ausland. Ich gehe gern in die Berge und wenn was im Betrieb los ist, bin ich schnell wieder zuhause. Im Sommer komme ich natürlich weniger weg, im Winter geht es besser. Da bin ich oft skifahren.

Wie kann man sich einen Tag in Ihrem Betrieb vorstellen?
Unsere Arbeitswoche dauert 6 Tage – nur am Sonntag wird nicht geerntet. Im Sommer fangen wir um 6 Uhr früh an, zuerst werden die Leute eingeteilt und die fahren dann hinaus aufs Feld. Die geernteten Pflanzen müssen so schnell wie möglich ins Kühlhaus und werden dann gleich an die LGV geliefert. Geerntet wird aber nur am Vormittag, wenn die Pflanzen kühl sind; am Nachmittag ist es dafür zu heiß. Dann wird gepflanzt, Unkraut gejätet, und manchmal auch früher Schluss gemacht.

Haben Sie konkrete Pläne für die Zukunft?
Vergrößern möchte ich den Betrieb nicht mehr, das wird dann unüberschaubar. Wir arbeiten aber ständig daran, die gute Qualität zu halten, weiter zu verbessern und uns zu spezialisieren auf die Kulturen, die wir haben. Neue Kulturen möchte ich eigentlich nicht mehr dazu nehmen. Ich konzentriere mich darauf, den Bestand gut zu erhalten bzw. zu modernisieren.

Sind Sie gerne Gärtner?
Gärtner zu sein war immer mein Traumberuf. Ich bin schon als Kind am Traktor gesessen, war immer gerne an der frischen Luft und liebe es bis heute den Pflanzen beim Wachsen zuzusehen. Daher hat es eigentlich nie die Überlegung gegeben, etwas anderes zu machen. Bis heute habe ich meine Entscheidung nie bereut und ich hoffe, auch in 20 Jahren noch Gärtner sein zu können.

Welcher Teil der Arbeit macht Ihnen am meisten Spaß?
Es gibt eigentlich gar keinen Bereich, den ich am liebsten mache – außer vielleicht im Sommer auf die Felder zu fahren und zu sehen wie alles heranwächst. Insgesamt liebe ich die Abwechslung, es ist ja ständig etwas anderes zu tun. Tatsächlich miternten tue ich allerdings gar nicht mehr. Aufgrund der Größe des Betriebs komme ich selten auf die Felder und leider auch kaum mehr zum Traktor fahren. Ich kümmere mich eher um das Organisatorische, schaue was wann geerntet gehört, achte darauf dass die Ware schön ist und die Qualität passt, dass alles im Ablauf des Betriebs gut läuft und die Ware zum richtigen Zeitpunkt ausgeliefert wird. Und ich rede oft und viel mit den Mitarbeitern.

Wozu brauchen wir die Gärtnergenossenschaft?
Die LGV macht für uns die gesamte Logistik und bringt unsere Ware nach ganz Österreich. Für mich allein wäre es zu kompliziert, alle Lager der Handelsketten anzufahren, also eigentlich unmöglich. Auch die Werbung, das Marketing, der direkte Kontakt zu den Handelsketten – das nimmt uns die LGV ab. Dazu hätte ich selbst gar keine Zeit, ich wüsste gar nicht, wie ich das auch machen sollte.

Was ist der Vorteil von regionaler Produktion?
Wir haben kurze Transportwege und wirtschaften allein dadurch nachhaltiger. Außerdem behaupte ich, dass auch der Umgang mit den Mitarbeitern bei uns besser ist als anderswo. Zusätzlich punkten wir mit der Qualität der Ware, denn der Pflanzenschutz in Österreich ist der strengste überhaupt. Mein Gärtnereibetrieb allein wird wöchentlich von Global 2000 untersucht und geprüft und das finde ich auch gut so. Als Gärtner möchte ich selbst ja auch wissen, ob meine Ware in Ordnung ist. Und als Konsument will ich ebenfalls darauf vertrauen, – nicht nur beim Gemüse – dass die Produkte in Ordnung sind und ich sie bedenkenlos essen kann. Diesbezüglich bin ich stolz darauf zu sagen, dass ich für meine Kräuter nur noch biologischen Pflanzenschutz und Nützlinge verwende.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Dass wir als Gärtnereibetrieb weiter bestehen können. Dass die Leute besser schauen, woher das Gemüse kommt, das sie kaufen. Die Konsumenten entwickeln schon jetzt ein Bewusstsein, auf die regionale Produktion zu achten. Dieser Trend soll sich weiter entwickeln, auch unterstützt durch die großen Handelsketten, die das jetzt auch forcieren. Regionalität ist das Stichwort.

20. April, 2018|