Schippani Leopold

/Schippani Leopold

Gärtner zu sein ist ja nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung. Meine Hände sind mein Kapital.

Leopold Schippani

LGV-Gärtner

Können Sie sich bitte kurz vorstellen?
Ich wurde 1961 als erstes Kind meiner Eltern geboren. Am Ende der Pflichtschulzeit war mir klar, dass ich Gärtner werden möchte und so begann ich im Betrieb meiner Eltern eine Lehre zum Gärtner. Die Berufsschule für Gärtner und Floristen absolvierte ich in Kagran. Danach leistete ich meinen Präsenzdienst als Kraftfahrer. Mit dem Meisterkurs der Gärtner begann ich noch während der Zeit beim Bundesheer. 1990 habe ich Anneliese geheiratet. Im September 1991 kam Veronika, unsere einzige Tochter, und 1994 Michael sowie 1999 Stefan zur Welt.

Erzählen Sie uns von Ihrem Betrieb!
Die Fläche unserer Gärtnerei beträgt zwei Hektar. Etwas mehr als ein Hektar ist unter Glas, die restliche Fläche ist Freiland, das aktuell nicht genutzt wird. Wir produzieren zurzeit nur im geschützten Anbau. Für unseren Betrieb zahlt sich im Moment keine Freilandbewirtschaftung aus. Wir würden dann mehr Mitarbeiter benötigen, derzeit arbeiten vier ständige Mitarbeiter hier und ein Erntehelfer im Sommer.

Und seit wann führen Sie die Gärtnerei?
Den Betrieb hier in Simmering habe ich 1992 von den Eltern in Pacht übernommen. Wir bewirtschaften die Gärtnerei auf diesem Standort in dritter Generation. Das alte Gärtnerwohnhaus wurde von meiner Großmutter bereits im Jahr 1922 gebaut. Wir begannen 2003 mit einem Neubau, in den wir ein Jahr später einziehen konnten.

Was hat sich im Betrieb im Laufe der Jahre verändert?
Wie schon erwähnt, habe ich 1992 den Betrieb mit einer Gewächshausfläche von 2.500 m² und 500 m² Folienhaus übernommen, ab dieser Zeit wurde ständig investiert. Wir bekamen einen Anschluss an die Fernwärmeleitung und 1997 wurde das erste Venlo-Gewächshaus gebaut – so heißen die modernen Gewächshäuser. Damit haben wir die „unter Glas-Fläche“ um ca. 2.700 m² erweitert. 1999 wurden zwei alte Gewächshäuser weggerissen und ein Neues mit einer Größe von 2.700 m² aufgestellt. Mit diesem Gewächshaus waren wir – in Simmering – der erste Betrieb, der ein so modernes Glashaus mit einer Höhe von 4,5 Metern sein Eigen nennen durfte. 2001 wurde das letzte alte Glashaus und das Folienhaus weggerissen und unsere Gewächshausfläche mit einem Neubau auf etwas mehr als ein Hektar erweitert.
Vor einigen Jahren haben wir noch eine große Halle gebaut, die vor allem als Lagerraum dient, aber auch ein „kleines Klassenzimmer“ für die Aktion „Schule am Bauernhof“ beherbergt. Meine Frau hat die Ausbildung für dieses Projekt absolviert. Die „Stadtkinder“ sind heute schon so weit von der Landwirtschaft entfernt, dass es wirklich sehr wertvoll ist, wenn wir unsere Türen öffnen und den Kindergärten oder Schulen etwas über unseren Betrieb und unsere Nahrungsmittel erzählen. Jedes Jahr kommen uns weit über 1.000 Kinder in unserem Betrieb besuchen.

Welches Gemüse bauen Sie an?
Wie sich in den letzten Jahren gezeigt hat, ist es besser sich als Gärtner zu spezialisieren. Wir konzentrieren uns auf zwei Kulturen: unsere Hauptsorte sind Rispenparadeiser, diese machen 70 Prozent Anbaus aus, der Rest sind Gurken. Vor 1997 hatten wir Salat, Kohlrabi, Frühsellerie, Frühkohl und Radieschen. Zuge des Neubaus unserer Gewächshäuser haben wir uns dann auf Paradeiser spezialisiert. Paradeiser kommen sind erst nach ca. 10 Wochen reif. Anders ist dies bei den Gurken, diese sind sehr schnell zu ernten. Die ersten Früchte kann man schon ca. 5 Wochen nach dem Pflanzen ernten. Gurken werden bei uns im Betrieb dreimal in einer Saison ausgepflanzt.

Wie verläuft ein Arbeitsjahr in Ihrem Betrieb?
Ende Jänner bzw. Anfang Februar fangen wir mit dem Pflanzen an. Nun beginnt die Pflegearbeit (wickeln und ausgeizen). Wie schon erwähnt haben wir nach ca. 5 Wochen die erste Gurkenernte, die letzte Ernte (der dritten Pflanzung) ist dann Ende Oktober. Paradeiser werden nur einmal im Jahr gesetzt, die Paradeiserpflanzen stehen bis Mitte November im Gewächshaus und werden bis zu 10 Meter lang. Wir ernten pro Jahr in etwa 300 Tonnen Paradeiser und 270.000 Stück Gurken. Gurken werden ca. viermal pro Woche und Paradeiser dreimal in zwei Wochen geerntet. Nach der letzten Ernte werden die Pflanzen abgeschnitten und entsorgt, dann wird das gesamte Gewächshaus ausgeräumt und gereinigt. Ab Mitte Dezember ist es dann etwas ruhiger. Bevor wir dann nach Dreikönig wieder mit dem Arbeitsjahr beginnen, gibt es ein paar Tage Erholung.

Verraten Sie uns: Sind Sie gerne Gärtner?
Ja, ich bin gerne Gärtner geworden und es ist noch immer sehr spannend und abwechslungsreich. Die Ausübung des Berufes hat sich aber auch sehr verändert. Zu Beginn meiner Gärtnerlaufbahn haben wir noch viel mehr mit den Händen in der Erde gearbeitet – das war schon ein besonderes Erlebnis. Ich finde es daher toll, dass unser jüngster Sohn in Langenlois in der Gartenbauschule die Möglichkeit zu einer vielfältigen Gärtnerausbildung hat.
Es hat aber schon große Vorteile, immer im geschützten Gewächshaus zu arbeiten, der Niederschlag macht uns hier nicht mehr so viel aus. Nur extremen Sommertemperaturen sind oft schwer erträglich.

Was fasziniert Sie an diesem Beruf?
Gärtner zu sein ist ja nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung. Meine Hände sind mein Kapital. Bis jemand den Beruf, die Arbeit, richtig kann, bis jemand eine Kultur richtig pflegt, das dauert wirklich lange. Das ist ein wenig wie Kartenspielen. Das ist schnell gelernt, aber es braucht Jahre an Erfahrung.
Das Schönste aber ist, Pflanzen wachsen zu sehen, mit eigenen Händen Produkte für unser Leben zu produzieren. Wir sorgen für die gesunde Ernährung in der Großstadt Wien.

Was ist der Vorteil an regionaler Produktion?
Die kurzen Wege, die Nähe zum Markt. Ein paar Stunden nach der Ernte kann die Wiener Stadtbevölkerung frisches Gemüse genießen. Welche Großstadt der Welt hat so einen riesigen Gemüsegarten vor der Tür? Das ist ja einzigartig.

Welchen Wunsch haben Sie für die Zukunft?
Dass wir hier in Wien noch lange den Gartenbau betreiben dürfen und die Wiener Bevölkerung mit unseren tollen Produkten versorgen können. Und dass der Konsument unsere hochwertigen Lebensmittel zu schätzen lernt und bereit ist, dafür einen fairen Preis zu bezahlen, das wünsche ich mir.

20. April, 2018|