Herret Erich

/Herret Erich

Das Handwerk des Gärtners ist das Gespür für eine Pflanze, der sogenannte „grüne Daumen“.

Erich Herret

Paradeisergärtner

Können Sie sich bitte kurz vorstellen?
Mein Name ist Erich Herret, ich stamme aus einer großen Gärtnerfamilie in Simmering. Das bedeutet, dass ich und meine Brüder schon als Kinder im Betrieb mithelfen mussten und so von klein auf mit den Aufgaben eines Gärtners vertraut waren. Irgendwann hat sich die Frage gestellt, wer diesen Beruf auch in Zukunft weiter führen möchte und wer den Betrieb der Eltern übernimmt. Wir haben dann entschieden, dass ich den Betrieb meines Onkels übernehme, einer meiner Brüder den Betrieb zuhause weiterführt und der dritte in den Betrieb seiner Schwiegereltern einsteigt.

Haben Sie dann zusammen gearbeitet?
Zunächst haben wir ein paar Jahre nebeneinander gewirtschaftet. Schließlich hat sich für jeden Betrieb die Frage gestellt, wie er in Zukunft weitergeführt wird, da flächenmäßig keiner erweiterbar war. So haben meine Brüder und ich gemeinsam 2006 beschlossen, eine neue Firma zu gründen – auf einer großen Fläche in Hainburg, wo auch das mediterrane Klima günstig ist. Dazu hat einer der Brüder seinen Betrieb verkauft, der andere hat seinen verpachtet. Ich führe meinen Betrieb in Simmering noch weiterhin, bin aber auch Gesellschafter der neuen Firma.

Was macht einen guten Gärtner aus?
Das Handwerk des Gärtners ist das Gespür für eine Pflanze, der sogenannte „grüne Daumen“. Aber auch das unternehmerische und innovative Denken ist heute wichtig, worin ich meine besonderen Stärken sehe.

Was ist der grüne Daumen?
Die Pflanze präsentiert schon beim ersten Anblick jeden Tag zahlreiche Symptome, die es zu erkennen gilt. Hat die Pflanze zu viel Energie, zu wenig Energie, ist es ihr zu trocken, zu nass? Die Einflüsse kann ich als Gärtner steuern. Wenn ich auf diese richtig reagiere, dann kann ich für die heranwachsenden Früchte alles tun, um sie in den darauffolgenden 8 Wochen zu ernten. Ich versuche also, der Pflanze immer das bestmögliche und passende zu geben. Das unterscheidet mich von einem Gärtner, der seine Pflanzen nicht ständig beobachtet und nicht rechtzeitig auf ihre Verfasstheit reagiert, wodurch die Pflanzen möglicherweise Schädlinge oder Krankheiten bekommt. Sinn macht es außerdem, wenn regelmäßig ein Kulturberater, der die Betriebs-Scheuklappen ein bisschen öffnet, den Betrieb besucht und mit einem Blick von außen professionelle Beratung leisten kann. Aber wenn ich der Pflanze von Anfang an viel Aufmerksamkeit und Beobachtung schenke, habe ich einfach mehr Erfolg.

Haben Sie Zukunftsvisionen?
Für die Zukunft wünsche ich mir, dass wir wieder von der Erwartung abkommen, dass Alles jederzeit verfügbar sein soll. Besser wäre es, der Jahreszeit und der Saison gerecht anzubauen und die Bedingungen, wie beispielsweise die Tageslänge, so zu optimieren und nutzen, dass kürzere Kulturen schonender produziert werden können.

20. April, 2018|