Gattringer Christian

/Gattringer Christian

Wenn ein guter Gärtner ins Gewächshaus reinkommt, merkt er sofort ob das Klima passt.

Christian Gattringer

Gurkengärtner

Können Sie sich und Ihren Betrieb kurz vorstellen?
Mein Name ist Christian Gattringer und ich führe seit 2014 einen eigenen Betrieb in Simmering. Als ich im Frühjahr 2013 die Meisterprüfung absolvierte, beschloss ich etwas „Eigenes“ auf die Füße zu stellen.
Daher habe ich im Jahr 2013 ein Grundstück (rund einen Hektar) gepachtet, dort ein Folienhaus aufgebaut und seit Mai 2014 produziere ich Gurken.

Für welches Gemüse haben Sie sich entschieden?
Meine Hauptkultur sind Gurken und später dann Vogerlsalat, der im Dezember geerntet wird. Danach wird im Jänner Salat gepflanzt, der im April zur Ernte gelangt.
Ich habe mich für diese Variante entschieden, weil mir die Anschaffung einer Fernwärmestation derzeit zu teuer ist und diese Gemüsesorten es nicht so warm brauchen.

Wie verläuft Ihr erstes Jahr?
Mit den Pflanzen und der Erde bin ich eigentlich zufrieden. Das erste Jahr ist immer schwierig, weil man bei „null“ beginnt. Was mir noch fehlt ist ein Energieschirm (damit kann man im Gewächshaus die Temperatur zusätzlich mechanisch steuern bzw. ausgleichen). Aber sonst läuft alles so, wie ich es mir vorgestellt habe.

Erzählen Sie uns: Wie startet man einen Gärtnerbetrieb?
Im August 2013 habe ich mich entschlossen, eine  Gärtnerei zu eröffnen. Es wurde ein Pachtvertrag abgeschlossen, ich habe um Förderungen angesucht und mit den Banken Gespräche geführt.
Für das Gewächshaus, Stromanschluss, Brunnen und einiges mehr musste ich Kostenvoranschläge einholen. Im November 2013 war Baubeginn, die Fertigstellung im Mai 2014. Eigentlich hat alles gut gepasst, nur der Bau des Gewächshauses dauerte mir zu lange. Nach der Fertigstellung habe ich die Gurkenpflanzen gesetzt, und gleich mit der Pflege, dem Wickeln und Ausgeizen der Triebe begonnen. Nach ca. 30 Tagen konnte die erste Gurke geerntet werden. Seither ernte ich jeden zweiten bis dritten Tag Gurken.

Wie sieht Ihr Arbeitstag im neuen Betrieb aus?
Wir fangen zwischen 5 und 6 Uhr an. Zuerst wird geerntet und die Gurken direkt an die LGV geliefert. Danach kommt die Kulturpflege, das dauert so ca. bis 18 Uhr abends, teilweise auch bis 20 Uhr. Wir ernten immer abwechselnd, einmal bei mir und dann wieder bei meinen Eltern. Insgesamt haben wir vier Standorte, die bewirtschaftet werden.

Bekommen Sie als Gärtner überhaupt Urlaub?
Im Sommer fahren wir (meine Eltern, mein Bruder und ich) jeweils eine Woche weg. Im Winter ist die Möglichkeit, in den Urlaub zu fahren, größer.

Warum sind Sie gerne Gärtner?
Naja, die Natur und im Freien zu sein haben mir immer Spaß gemacht. Die Lehrer haben zwar immer gesagt, ich soll eine berufsbildende höhere Schule besuchen, aber eigentlich hat mich nur die Gärtnerei interessiert. Es ist nicht so, dass ich nur im Gewächshaus stehe, sondern es ist eine vielseitige Tätigkeit. Es gibt immer etwas zu reparieren, das macht mir auch viel Spaß. Außerdem macht es mir viel Freude, meine selbst angebauten Pflanzen wie zum Beispiel Gurken unter meiner Pflege bis zu Ernte wachsen und gedeihen zu sehen.

Was macht einen guten Gärtner aus?
Ganz einfach: „Dass er eine gute Qualität schafft“. Er muss regelmäßig die Kultur kontrollieren, die Schädlinge im Griff haben und schauen, wann er mit der Bewässerung anfängt bzw. aufhört. Wenn ein guter Gärtner ins Gewächshaus reinkommt, merkt er sofort ob das Klima passt.
Früher waren die Aufgaben eines Gärtners anders, mittlerweile wird es immer mehr Büroarbeit. Zahlreiche Kontrollen und Aufzeichnungen nehmen für den Gärtner viel Zeit in Anspruch. Das Ernten an sich ist immer gleich, allerdings wird es jetzt immer stressiger, da mehr an Gewächshausflächen dazu kommen, die geerntet und kontrolliert werden müssen.

Was ist Ihre Leidenschaft? Welcher Teil der Arbeit, welche Produkte?
Gurken sind mein Lieblingsprodukt und hier gefällt mir vor allem die Ernte.

Wobei hilft Ihnen die Gärtnergenossenschaft LGV?
Die LGV ist vor allem für die Vermarktung wichtig. Wir könnten die Produkte selbst nicht vermarkten, da jeder einzelne Gärtner zu viel Menge (Gurken, Paprika etc.) davon hat.

Haben Sie ein Lieblingsgericht?
Schnitzel mit Pommes. Aber ich esse auch abends zum Brot viel rohes Gemüse wie zum Beispiel  Gurken, Paprika und Tomaten – auch, um meiner Tochter ein Vorbild zu sein.

Was wünschen Sie sich von der Zukunft?
Dass das nächste Wirtschaftsjahr besser verläuft als dieses und dass weniger ausländische Ware nach Österreich geliefert wird. Aber insgesamt muss ich zufrieden sein mit dem was ich habe – erzwingen kann man ja nichts.

20. April, 2018|