Ab ins Gemüse

Folge 6

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Robert Palfrader auf Erkundungstour bei Paradeisergärtner Stefan Bauer in Wien-Essling.

Man kann im Osten Österreichs sehr schnell Empörung hervorrufen, indem man Tomate statt Paradeiser sagt. Was die Sprachpolizei dabei vergisst: Nicht überall bei uns daheim sagt man Paradeiser! Und ich habe schon öfter eine nahezu deckungsgleiche Diskussion geführt, wenn es um Pfifferlinge geht. So heißen die Eierschwammerl nämlich in Südtirol. Ja, ich weiß, dieses Thema wird sehr emotional geführt, kann mitunter zu sehr lautstarken Auseinandersetzungen führen und ich kann sogar nachvollziehen, warum dieses Thema so polarisiert. Ich würde mir aber das gleiche Interesse an unserer Sprache wünschen, wenn es um die Verwendung des richtigen Falles und anderen Regeln der Rechtschreibung geht. Ich verwende – je nach Lust und Laune – Tomate UND Paradeiser.

Genauso sieht es auch Stefan Bauer, ein leidenschaftlicher Gemüsegärtner aus Wien-Essling. Und der hat immerhin hauptberuflich mit Paradeisern zu tun. Er baut seit 17 Jahren die köstliche Sorte Mini San Marzano an. Aber bei ihm gibt es nicht nur Paradeiser in der Farbe Rot, sondern auch in Gelb und Grün. Verpackt wird gleich an Ort und Stelle und bereits tags drauf stehen seine Paradeiser im Supermarkt Ihres Vertrauens. Da glaubt man, man weiß, was in so einer Gemüsegärtnerei vor sich geht und dann hört man, dass hier auch noch Welse gezüchtet werden. Stefan Bauer bietet unter anderem eine Speise an, von der ich noch nie vorher gehört habe: Wels-Leberkäs! Bei der Zucht der Welse ergibt sich ein Synergie-Effekt: Jeden Tag wird rund zehn Prozent Frischwasser in die Becken gepumpt und genauso viel Wasser wieder abgelassen. Dieses wird dann zum Bewässern und Düngen des Gemüses verwendet. Den Wels-Leberkäs werde ich jedenfalls demnächst kosten – die Mini San Marzanos nasche ich eh schon fast jeden Tag!